BSC Blasheim e.V. - von 1894
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         Chronik des Blasheimer Sport Club von 1894
Es war im Frühsommer des Jahres 1894, als junge Blasheimer Zigarrenmacher sich in der Zigarrenfabrik Todtmann, Blasheim Nr. 85, zusammensetzen, um einen Turnverein zu gründen. Man fand bald weitere Interessenten und hielt im Gasthof Weßling die Gründungsversammlung ab. Am 14. Juli 1894 wurden dann von dem gewählten Vorstand des Turnvereins Blasheim „die Statuten in Vorschlag gebracht und mit größter Majorität festgesetzt“, so hält es der Schriftwart Heinrich Hartmann in seinem Protokoll fest. Am 23. August 1894 wird dem „Herrn und Amtmann Freiherr von Quadt, Hochwohlgeboren, Pr. Oldendorf, ganz gehorsamst“ mitgeteilt, dass die Mitgliederzahl des Turnvereins 31 beträgt. Davon sind 22 Mitglieder aktive Turner.
Diese erste Satzung aus dem Jahre 1894 ist auf die damalige Zeit zugeschnitten. Sie sollte aufmerksam gelesen werden. Für uns sind nach 100 Jahren darin eine Fülle von Kuriositäten enthalten. Jedenfalls trug die Satzung wesentlich dazu bei, die Richtung des Vereins auf Jahrzehnte zu bestimmen.
Verzeichnis der Mitglieder des Turnvereins Blasheim (vom 01.10.1894)

 1.  Weßling, Ludwig
Blasheim No. 79
 2.   Bornemann, Gustav
Blasheim No. 106
 3.   Stumpf I, Friedrich
Blasheim b. No. 24
 4.   Lange, Wilhelm
Blasheim b. No. 63
 5.   Stumpf II, Friedrich
Blasheim No. 84
 6.   Niedringhaus, Friedrich
Obermehnen
 7.   Wohlfahrt, Friedrich
Obermehnen
 8.   Grewe, Gottlieb
Alswede
 9.   Liekweg
Obermehnen b. No. 5
10. Stapel, Karl
Blasheim No. 139
11.  Nordsiek, Karl
Blasheim No. 144
12.  Hartmann, Heinrich
Lübbecke No. 355
13.  Wiegmann, Karl
Blasheim No. 66
14.  Haake, Fritz
Blasheim No. 13
15.  Lütkemeyer, Karl
Blasheim No. 105
16.  Strathmann
Blasheim No. 7
17.  Wellmann
Obermehnen
18.  Rodenberg
Lübbecke
19.  Osterhaus
Osnabrück
20.  Vollbracht
Vlotho
21.  Bock, Franz
Stockhausen
22.  Klausing, Gottlieb
Blasheim
23.  Wilmsmann, Hermann
Blasheim No. 144
24.  Kölling, Heinrich
Blasheim No. 79
25.  Rienschaefer
Blasheim b. No. 24
26.  Schütte, Heinrich
Blasheim No. 13
27.  Haddewig, Karl
Blasheim No. 7
28.  Becker
Blasheim b. No. 40
29.  Brünger
Obermehnen
30.  Bokämper, Wilhelm
Obermehnen No. 88
31.  Schütte, August
Stockhausen

 
 Die erste Satzung ist hier hinterlegt.
 
Die erste Fahne des Vereins
Die Turnerei lief beim Turnverein Blasheim zunächst recht gut an. Schon 1895, ein Jahr vor den ersten olympischen Spielen der Neuzeit in Athen, legte sich der Verein eine eigen Fahne zu. Verbürgt ist, dass einer der jungen Turner das Fahnentuch zu Fuß aus Osnabrück abholte. Die Fahnenweihe, so war geplant, sollte auf einem Festball auf dem Blasheimer Marktplatz vorgenommen werden. Doch man hatte die Rechnung ohne den Amtmann Freiherr von Quadt gemacht. Er verweigerte die Genehmigung und berief sich auf eine Verfügung des königlich preußischen Regierungspräsidenten in Minden vom 18.05.1880, wonach „Tanz in Zelten nur auf Jahrmärkten etc. zu gestatten sei“. In seiner Aktennotiz vom 14.06.1895 heißt es aber: „Maßgebend für Ablehnung war, dass Zunahme der Lustbarkeit für die Bevölkerung verhängnisvoll werden kann. Gerade in Blasheim nimmt Leichtsinn und Verkommenheit überhand“. So wurde am 30.06.1895 die Fahnenweihe im kleinen Rahmen im Garten des Vereinswirtes Weßling vorgenommen.
Nach der Fahnenweihe erfolgte ein Durchmarsch durch die Straßen des Dorfes und anschließend ein Konzert und Schauturnen ebenfalls im Garten des Wirtes. Aus dem geplanten Festball wurde ein geschlossener Turnerball beim Vereinswirt auf der im Frühjahr 1895 als Turnhallte ausgebauten Deele.
1912 – erste gedruckte Satzung
Da keine Statuten vorlagen, forderte der Verein auf Anregung von Turnwart Peithmann die auf dem Amt Pr. Oldendorf befindlichen Statuten an, damit den Mitgliedern diese ausgehändigt werden konnten. Hierzu wurde eine größere Anzahl gedruckt. Dies geht aus dem Protokoll vom 04.12.1912 hervor. Bereits im Dezember desselben Jahres wurde vom Vorstand eine überarbeitete Fassung vorgelegt, die nach einigen Änderungen in der Monatsversammlung beschlossen wurde. Im April 1921 kam es zu einer neuen Vereinssatzung, die man Grundgesetz nannte. Schließlich galt ab 01.01.1925 die Satzung der Deutschen Turnerschaft. Auch sei wurde gedruckt und liegt dem Verein noch heute vor. Die „Turngenossen“ konnten sie für -,20 RM kaufen.
Eine wesentliche Änderung im Satzungsrecht hatte der Verein im April 1940 mit der Einführung der „Einheitssatzung des Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen (NSRL)“ hinzunehmen. Hier heißt es lapidar in § 2: „Der Verein bezweckt die leibliche und charakterliche Erzeihung der Mitglieder im Geiste des Nationalsozialismus durch planmäßige Pflege der Leibeserziehung.“ § 4, Abs. 6 sagt: „Mitglieder können nicht Personen sein, die nicht deutschen oder artverwandten Blutes sind oder solchen gelichgestellt sind.“ § 9 bestimmt: „Die Geschäftsführung und Vertretung des Vereins liegt in der Hand des Vereinsführers. Der Vereinsführer wird von dem örtlich zuständigen Kreisführer des NSRL im Einvernehmen mit dem zuständigen Kreisleiter der NSDAP bestellt und abberufen.“ In § 10 heißt es: „ Der Vereinsführer ernennet die erforderlichen Mitarbeiter (Beirat) und bestimmt ihre Aufgaben.
Der Weg zur Einführung der Einheitssatzung wurde im Gauverordnungsblatt vom 09.04.1940 vorgeschrieben. Man lese: „Die Einführung der neuen Einheitssatzung geschieht wie bisher auf dem vereinsrechtliche vorgezeichneten Weg. Die Vereine müssen aber daher eine Versammlung der Mitglieder einberufen.
 Für die Beschlussfassung kommt es nicht darauf an, ob die Versammlung mehr oder minder besucht wird, denn zuständig sind unter allen Umständen die erschienenen Mitglieder. Sie erfüllen im wesentlichen nur eine Formsache, denn die neuer Satzung muss auf jeden Fall, so wie sie vorliegt, angenommen werden, wenn der Verein noch Wert darauf legt, der Organisation des NSRL anzugehören und ein sportliches Leben zu führen.“
Auf die Tagesordnung waren u.a. 2 Punkte zu setzen:
·         Annahme der Einheitssatzung,
·         Vorschlag zur Bestellung des Vereinsführers.
Diese Satzung wurde am 27.04.1940 einstimmig von der Mitgliederversammlung angenommen, der erste Vereinsführer vorgeschlagen und vom Kreisführer des NSRL und dem Kreisleiter der NSDAP bestellt.
1945 untersagte die Militärregierung das Fortbestehen der existierenden Sportvereine. Durch Umbenennung des „TV Jahn Blasheim“ in „ BSC Balsheim“ konnte der Verein die Nachkriegswirren überleben. Einen neue Satzung wurde beschlossen, die, bedingt durch das rasche Wachsen des Vereins, in den folgenden Jahren mehrfach geändert werden musste, ihren ursprünglichen Sinn aber beibehalten hat.
Die Fußballära des BSC und die Suche nach einem geeigneten Sportplatz
Als in England 1815 die Lehrer der hochfeinen Schulen von Eton, Cambridge und Oxford den Fußball moderner Prägung ins Leben riefen, dachte hierzulande noch niemand an diese Sportart. In Deutschland wurde der Fußballbund erst im Jahre 1890 in Leipzig gegründet.
24 Jahre später spielte man auch in Blasheim Fußball. Es waren Turner, die Freude an der neuen Sportart fanden. Im Protokoll einer Monatsversammlung ist festgehalten, dass am 26.07.1914 ein Spiel gegen Grüne Eiche Stockhausen ausgetragen wurde. Der erste Weltkrieg aber brachte dieser neuen Sportart zunächst ein jähes Ende.
Nach dem Krieg, aus dem 25 Vereinsmitglieder nicht mehr heimkehrten, wurde auf einer außerordentlichen Monatsversammlung am 23.08.1919 die Idee einer „Fußballriege“ wieder aufgegriffen und am 21.10.1920 beschließt man, jeden Sonntag Fußball zu spielen. Das Problem war ein geeignetes Grundstück, das als „Spielplatz“ hergerichtet werden konnte. Am 09.12.1920 hatte der Vorstand eine Beratung mit dem Kantor Bicknese, den Lehrer Peithmann, Meyer und Schmidt, sowie dem Gemeindevorsteher Holsing. Die Spielplatzfrage konnte aber noch nicht gelöst werden. Wann es zum Pachtvertrag mit den Eigentümern der Grundstücke an der Riehe gekommen ist, geht aus den Protokollen nicht hervor.
Der 05. Februar 1921 brachte den Durchbruch für den Fußball, jener Sportart, in der seit dem Sommer 1920 fleißig trainiert wurde. Eine selbständige Sportgruppe innerhalb des Vereins wurde mit eigener Spielerkasse gebildet. >In diese flossen nur die „besonderen“ Beiträge der Fußballer. Die Vereinsbeiträge waren nach wie vor in die Vereinskasse zu zahlen.
Bälle, Geräte usw. waren Eigentum des Vereins. Die erste Spielersitzung am 11.02.1921 brachte folgende Beschlüsse:
·         Lehrer >Schmidt wird Spielwart,
·         W. Schlingmann Mannschaftsführer der 1. Mannschaft,
·         H. Wilmsmann Mannschaftsführer der 2. Mannschaft,
·         Frewert Mannschaftsführer der 1. Jugendmannschaft.
Die drei Mannschaften wurden beim Kreisverband gemeldet. Gleichzeitig wurden zwei Faustballmannschaften aufgestellt, deren Spielführer W. Nordsiek und H. Stapel waren. Bei der Anschaffung von „Fußballhemden“ entschied man sich für „blau mit weißem Kragen und Aufschlägen“. Die Hemden musste jeder Spieler selbst bezahlen, ebenso die Schuhe. Die Hosen wurden selbst geschneidert. Der Verein finanzierte den Chromlederball. Der erste große Erfolg stellte sich 1936 ein. Die 1. Jugendmannschaft wurde Kreismeister. Darauf folgte 1938 die Erringung der Kreismeisterschaft durch die 1. Männermannschaft.
Der Sportplatz an der Riehe war leider wegen des hohen Grundwasserstandes im Frühjahr und im Herbst nur selten bespielbar, so dass man sich am 07.11.1934 gezwungen sah, „Gerdoms Wiese“ als Ausweichplatz anzumieten. Hier wurde auch am 16. Und 17. August 1934 das 40-jährige Bestehen des Vereins, der sich seit 1922 laut Eintragung in das Vereinsregister „Turnverein Jahn von 1894 Blasheim“ nannte, gefeiert.
In den 70er Jahren wurde der Wunsch des Vereins nach einer zentralen Sportanlage wieder laut. Nachdem die Volksschule eine Turnhalle und ein Lehrschwimmbecken erhalten hatte, wurde dem Verein zugesichert, dass er einen neuen Sportplatz in der Nähe der Schule erhält. Am 1. Juni 1975 war es dann soweit. Es erfolgte die Übergabe von Sportplatz und Sportlerheim. 1980 kam der Trainingsplatz hinzu. Gleichzeitig konnte die Flutlichtanlage in Betrieb genommen werden. 1985 wurde die 400m-Bahn in Eigeninitiative erstellt.
Einen Höhepunkt des Vereinslebens bildete die Einweihung des Blockhauses am 12. Mai 1990. Der Sportbetrieb war im Jahr zuvor erheblich eingeengt worden durch die Belegung des Sportlerheimes mit Asylbewerbern. Nachdem die Stadt Lübbecke einen Zuschuss von 10.000,00 DM gewahrt hatte. Begannen am 11.10.1989 die Bauarbeiten für das Blockhaus. Nach etwa fünf Monaten fleißigen Schaffens war das neue Vereinshaus in Eigenleistung erstellt.
Das sportliche Geschehen verlief nach Ende des 2. Weltkrieges zunächst wieder zweigleisig in Blasheim. Aus Jahn Blasheim war der BSC geworden, und der Nachfolgeverein des FTSV nannte sich Eintracht Blasheim-Obermehnen. Die Fußballer des BSC nahmen ihren Sportbetrieb wieder an der Riehe auf, die der Eintracht auf dem Basheimer Marktplatz.  Für die Wiederaufnahme des Spielbetriebes sorgten in erster Linie Hermann Borchard und Willi (Bubi) Schlüter. Letzterer ging dazu über, den Spielbetrieb auf Kreisebene zu organisieren, so dass bald im ganzen Kreis Lübbecke wieder geordnet Fußball gespielt wurde. Beide Vereine konnten innerhalb kurzer Zeit mit ihren Fußballmannschaften erfreuliche Erfolge erzielen. So gelang der Eintracht 1955 die Erringung der Kreismeisterschaft und damit verbunden der Aufstieg in die Bezirksliga. Hier spielte sie bis zur Vereinigung mit dem BSC, der 1956 in die Bezirksliga aufgestiegen war, bis zum Ende der Spielsaison 1957/58.
 
Heute haben wir allen Grund, den damaligen Funktionären beider Verein dankbar zu sein, die schon 1957 die Zeichen der Zeit erkannten und den Mut aufbrachten, in nicht immer leichten Verhandlungen alle Rivalitäten zu beenden, getreu der Erfahrung, dass erst Einigkeit stark macht. Nach der Zusammenführung beider Vereine waren endlich die Voraussetzungen geschaffen, die es ermöglichten, der Blasheimer Jugend moderne Sportstätten zur Verfügung zu stellen. So ist es nicht verwunderlich, dass schon 1965 der Kreis Lübbecke dem BSC eine besondere Ehrung zuteilwerden ließ, indem er ihn zum „Erfolgreichsten Sportverein des Landkreis Lübbecke“ aus erkor. Diese Auszeichnung geht auf eine in einer Kreistagsitzung gemachte Anregung des Landrats Schumacher zurück. Der BSC erhielt als erster Verein diesen Titel. „Beim Blasheimer Sportclub wurden damit die hervorragende für 450 Mitglieder betriebene Breitenarbeit, sowie die qualitativen Leistungen in der allgemein sportlichen Tätigkeit des Vereins gewürdigt“, so berichtet die „Freie Presse“ am 05. April 1965. Ein Jahr später stellte er die „Beste Mannschaft“ des Jahres im Landkreis Lübbecke.
Der BSC hat in seinem hundertjährigen Vereinsleben erstaunliche sportliche Erfolge errungen und viele Höhepunkte dörflicher Geselligkeit aufzuweisen. Dazu gehören die schon erwähnten Werbeabende zunächst im Gemeindehaus, dann im Saal des Gastwirts Gröne und später in der Turnhallte der neuen Schule. Sie waren vielfach verbunden mit Aufführungen der Laienspielgruppe des Vereins. Erwähnt werden müssen aber auch die jährlichen Winterfeste mit großer Tombola, sowie die jährlichen Sportfeste auf der Riehe und seit 1975 auf der zentralen Sportanlage an der Turnerstrasse.
1954 feierte der BSC vom 17. Bis 20. Juni seinen 60. Geburtstag. Der Turnkreis Lübbecke hatte ihm anlässlich dieses Jubiläums die Ausrichtung des Kreisturnfestes übertragen. Wie man heute in den Berichten der Tageszeitungen nachlesen kann, muss es eine einzigartige Veranstaltung gewesen sein. Höhepunkt war der Auftritt der Gauriege und die Festansprache von Erich Casselmann, dem 1. Vorsitzenden des Turngaues Minden-Ravensberg.
1969 wurde ein weiteres Jubiläum gefeiert. Nach der 1000-Jahr-Feier der Gemeinde fand eine zweite Festwoche statt. Viel Prominenz aus der Politik war erschienen, um dem Verein Grußworte und Gastgeschenke zu überbringen. Hier ragte innerhalb des Bunten Rasens das Kunstturnen der Kölner Sporthochschulriege unter der Leitung von Olympiasieger Helmut Bantz heraus. 
1984 kann der Verein auf eine 90-jährige Sportgeschichte Rückschau halten. Erstmalig stellten sich die verschiedenen Abteilungen - Turnen, Fußball, Tischtennis, Faustball, Volleyball und Leichtathletik – am 25. März in der Kreissporthalle Lübbecke im Rahmen einer bunten Show vor. Fast 1000 Mitglieder gehören inzwischen dem BSC an. Die ausgezeichnete Jugendarbeit zeigt ihre Früchte. Getreu seiner Satzung wird er die Tradition des alten Turnvereins Jahn und der Eintracht fortsetzen. Möge er als gemeinschaftsfördernde Einrichtung in unserem Gemeinwesen in der Verfolgung sportlicher Ziele weiterhin erfolgreich bleiben.
 


 
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